Bericht SZ/LZ

18.08.2021

Podiumsdiskussion zur Eilser Samtgemeindebürgermeister-Wahl

EILSEN. Am 12. September wählen die stimmberechtigten Einwohner der Samtgemeinde Eilsen einen neuen Samtgemeindebürgermeister. Um das Amt bewerben sich der Buchholzer Hartmut Krause und der Ahnser Harald Niemann. Beide sind 55 Jahre alt und parteilos. Krause wird jedoch von der CDU und der Wählergemeinschaft in Buchholz (WiB) unterstützt, während Niemann als Kandidat der SPD antritt. Wofür sie stehen, haben die beiden Bewerber bei einer von dieser Zeitung respektive SZLZ-Redakteur Leonhard Behmann moderierten Podiumsdiskussion im Bad Eilser Kurpark erklärt.

EILSEN. Am 12. September wählen die stimmberechtigten Einwohner der Samtgemeinde Eilsen einen neuen Samtgemeindebürgermeister. Um das Amt bewerben sich der Buchholzer Hartmut Krause und der Ahnser Harald Niemann. Beide sind 55 Jahre alt und parteilos. Krause wird von der CDU und der Wählergemeinschaft in Buchholz (WiB) unterstützt, während Niemann als Kandidat der SPD antritt. Wofür sie stehen, haben die beiden Bewerber bei einer von dieser Zeitung respektive SZLZ-Redakteur Leonhard Behmann moderierten Podiumsdiskussion im Bad Eilser Kurpark erklärt. So viel schon mal vorweg: Hinsichtlich der Inhalte ihres Wahlprogramms liegen Krause und Niemann recht nahe beieinander. Durch zum Teil hartnäckiges Nachhaken gelang es Behmann aber, den Kandidaten bei einigen Themen konträre Ansichten zu entlocken.

So etwa beim Thema Autohof, das aktuell wieder Gesprächsstoff liefert, seit bekannt geworden ist, dass die Gemeinde Heeßen in Kontakt mit einem Investor steht, der nördlich der Bundesstraße 83 einen großen Autohof errichten möchte (wir berichteten). Zu diesem Vorhaben habe er eine zwiespältige Meinung, sagte Krause. Einerseits sollte man den Investor „nicht gleich verschrecken“ und diesen erst einmal seine Pläne vorstellen lassen, andererseits seien mit solch einem Projekt auch erhebliche Nachteile wie beispielsweise Lärmemissionen verbunden. Zur Entscheidungsfindung müsse man daher alle davon Betroffenen mit ins Boot holen und, wenn diese gegen die Ansiedelung eines Autohofes seien, dessen Bau ablehnen.

Er teile Krauses Zwiespalt, sagte Niemann, der ebenfalls dafür plädierte, die Vor- und Nachteile eines dortigen Autohofes abzuwägen. Zu bedenken gab Niemann allerdings, dass der Lkw-Verkehr weiter zunehmen werde und damit zusätzliche Rastplätze entlang der Autobahnen benötigt würden. Dieses Problem müsse man lösen. Niemann sprach sich daher dafür aus, mehr die Vorteile eines Autohofes zu sehen. Es selbst würde die Ansiedelung eines Autohofes nicht pauschal verdammen, aber auch nicht hundertprozentig befürworten. Denn wer wolle schon einen Autohof quasi vor der eigenen Haustür haben. Wenn aber „die breite Masse“ dafür sei, müsse man diesen „bitteren Weg“ gehen.

Konträre Meinungen hatten die beiden Kandidaten auch beim Thema Feuerwehr. Auf die Frage des Moderators, ob die Freiwilligen Feuerwehren der Samtgemeinde Eilsen fusionieren sollten, antwortete Niemann, er selbst sehe die Notwendigkeit einer Fusion im Augenblick nicht. Oder anders formuliert: Sofern es nicht zwingend geboten sei, sollte es keine Fusionen geben. Zumal ein Zusammenschluss mehrerer Ortsfeuerwehren ihm zufolge auch gemäß der Feuerwehr keine Option ist, da es sich bei den einzelnen Ortsfeuerwehren um „langgewachsene Institutionen“ handelt. Deren Zusammengehörigkeitsgefühl müsse man berücksichtigen. Der Fokus sollte laut Niemann vielmehr darauf liegen, dass etwaige Brände schnell gelöscht werden.

Krause, der 24 Jahre lang ehrenamtlicher Gemeindebrandmeister der vier Eilser Feuerwehren gewesen ist, sah dies indes anders: „Die Feuerwehr in zehn oder 20 Jahren wird nicht mehr so aussehen wie heute“, erklärte er. So entsprächen die alten Feuerwehrgerätehäuser, in denen es keine vernünftige „Schwarz-Weiß-Trennung“ bezüglich der Privat- und Einsatzkleidung der Aktiven gebe, allein schon deshalb nicht dem heutigen Standard. Die Feuerwehrunfallkasse werde daher irgendwann darauf drängen, dass dem abgeholfen wird.

„Wir werden zukünftig keine vier Feuerwehren mehr haben“, konkretisierte Krause. Ob daraus letztlich ein oder zwei Feuerwehren werden, müsse man sehen. Die Aktiven sind seinen Worten nach jedenfalls bereit für diese Veränderung. Erforderlich sei zunächst jedoch, von einem externen Beratungsbüro eine genaue Feuerwehrbedarfsplanung erstellen zu lassen, bei der auch die Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte berücksichtigt werde.

„Überrascht Sie das? Das sind doch ganz andere Ansichten?“, hakte Behmann bei Niemann nach. Woraufhin der SPD-Kandidat erwiderte, man sei sich doch einig, dass der Fokus auf der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr liegen müsse.

Warum die beiden Kandidaten nicht in die CDU (Krause) beziehungsweise die SPD (Niemann) eintreten, wollte der Moderator ferner wissen. Krause gab zur Antwort, er selbst sei früher mal CDU-Mitglied gewesen. Heute indes gehöre er der – von ihm mitgegründeten – WiB an. Daher könne er nicht auch noch in die CDU eintreten. Zur CDU habe er jedoch ein gutes Verhältnis, betonte der Buchholzer, der auf sein jahrzehntelanges kommunalpolitisches Engagement verweisen kann.

Niemann, der erst 2016 in die Kommunalpolitik eingestiegen ist, begründete seine Parteilosigkeit dagegen damit, dass er sich nicht an eine bestimmte Partei habe binden wollen, er aber etwas für seine Heimatgemeinde Ahnsen habe machen wollen. Von der SPD wurde ihm seiner Schilderung nach damals dann angeboten, auf deren Liste für den Ahnser Gemeinderat zu kandidieren – was er dann auch getan hatte. Diese „Neutralität“ wolle er beibehalten, unterstrich er.

Weitere Themen waren nicht zuletzt die von beiden Kandidaten für erforderlich gehaltene weitere Digitalisierung der Eilser Samtgemeindeverwaltung, die – bei entsprechendem Bedarf – Schaffung einer dritten Kindertagesstätte sowie die auch dem Hochwasserschutz zugute kommende weitere Renaturierung der Bückeburger Aue.

Keine Patentlösung hatten Krause und Niemann für das von der Gemeinde Bad Eilsen schon seit Langem beklagte, insbesondere deren Kurpark betreffende Vandalismus-Problem parat: Über den dort inzwischen Streife laufenden Sicherheitsdienst hinaus sahen beide lediglich den Lösungsansatz, an die Vernunft der für die Vandalismusschäden verantwortlichen mutmaßlich jungen Leute zu appellieren. Aber bei manchen Menschen werde man damit nicht weiterkommen, merkte Niemann an.